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26.08.2016 - 01:51
Engagiert und erfolgreich tätig für Kollegen – wär das was?

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Offener Brief
DB Konzern möchte Lokführer loswerden.

Es ist Freitag, der 10.06.2016, um 2:00 Uhr morgens. Ich mache mich fertig zur Frühschicht. Wie üblich lausche ich dem Radio bei einer Tasse Kaffee und höre die Nachrichten. Wiedermal eine Pressemitteilung des großen DB Konzerns. Jetzt haben sie wohl beschlossen, dass sie ab dem Jahr 2023 ihre Züge autonom fahren lassen wollen. Ich grinse vor mich hin, doch so richtig kalt lässt es mich nicht. Kurz lasse ich meine Gedanken schweifen und überlege wie das wohl in 7 Jahren aussehen mag!?.... Ich laufe los zur Arbeit. Heute habe ich Glück, denn es regnet nicht. Kurz nach 3 Uhr- Dienstbeginn.
Freundlich begrüßen wir Kollegen uns an der Arbeit. Auch hier läuft das Radio und wir kommen natürlich auch hier auf das Thema des autonomen Fahrens von Zügen der Deutschen Bahn. Wir diskutieren ein wenig über diese wahnsinnig große Idee und finden irgendwie nicht die richtige Lösung für eine derartige Umsetzung, aber die Vorstände der Deutschen Bahn werden bestimmt wissen wovon sie reden.
Mein Azubi ist auch schon da. Er darf heute, bei dieser Frühschicht, an meiner Seite sein und ich bringe ihm Einiges bei, was er für das Ende seiner Ausbildung unbedingt wissen sollte. Ich bin ein sogenannter „Azubi-Fachvermittler“ und mir macht es auch riesigen Spaß den jungen Berufsstartern etwas für ihr Berufsleben mit auf den Weg zu geben. Viele von ihnen sind sehr begeistert und froh, dass sie es geschafft haben eine solche Berufsausbildung bekommen zu haben. Manch einer von ihnen hat in der Familie schon Angehörige die diesen Beruf ausübten oder es sogar immer noch tun. Mit Stolz begrüßt mich mein Azubi und ist schon ganz aufgeregt. Heute kommt etwas Besonderes in der Frühschicht vor und er freut sich schon sehr darauf.
Ich überprüfe nochmal mein Arbeitsmaterial für die heutige Arbeit und mein Azubi guckt mir gespannt über die Schulter. 
Wir bestellen uns ein Taxi, denn unsere Arbeit beginnt heute an einem anderen Ort. Das ist aber nichts Außergewöhnliches. Im Taxi unterhalten wir uns auch über das Thema der heutigen Nachrichten. Selbst mein Azubi ist sehr interessiert über dieses autonome Fahren. Er fragt wie ich mir das vorstelle und wie das überhaupt gehen soll. So richtig finden wir zwei aber keine Antwort.
Mit dem Taxi am Ziel angekommen, gehe ich mit ihm erstmal schnell am Bäcker vorbei. Frühstück für die Arbeit muss schon sein, also holen wir uns eine Kleinigkeit zum Essen und einen Kaffee. Es ist inzwischen 3:50 Uhr. In 10 Minuten müssen wir mit der Arbeit anfangen sonst wird es zu spät und das zieht einen ganzen Rattenschwanz hinter sich her. Also gehen wir zwei in Richtung unseres Arbeitsbereichs. Er ist schon für uns Markiert, sodass wir genau sehen wohin wir gehen müssen. Einen kleinen Moment müssen wir noch warten, dann erklingt die Durchsage und wir können loslegen mit unserem Traumberuf.

Es ist exakt 4:00 Uhr und in der Bahnhofshalle sowie am Bahnsteig ertönt die Lautsprecher-Durchsage, dass der europäische Nachtzug einfährt. In leichter Entfernung sieht man die Lichter der Lokomotive einfahren. Der gigantische Reisezug mit 390 Meter Länge schleicht sich den Bahnsteig entlang und bleibt mit einem sanften Quietschen stehen. 
„Guten Morgen Kollegen, fährt soweit störungsfrei – Gute Weiterfahrt.“

Ich bin Lokomotivführer. Einer der Lokomotivführer, der Deutschen Bahn AG, die im Jahre 2023 abgeschafft werden sollen.
Nun ist es auch verständlich, dass mich diese Pressemitteilung nicht völlig kalt lässt. Täglich fahre ich die Fernzüge durch Deutschland. Mal nach Dortmund, mal nach München. Mal nach Berlin, mal nach Hamburg oder Leipzig. Es ist ein Beruf, mein Beruf, meine Berufung – der Lokführer.
Nach einer vorhergegangen Schlosserlehre entschloss ich mich dazu mein Hobby zum Beruf zu machen und ich bereue diesen Schritt nicht einen Moment. Mit Leidenschaft und Herzblut führe ich die mächtigen Maschinen sicher über Deutschlands Schiene und bringe die Fahrgäste an ihr Ziel. Natürlich läuft nicht immer alles nach Plan, aber das ist auch ein Teil dieses wunderschönen Berufs.  Man wird eins mit der Technik, mit der Maschine. Man spürt, wenn die Lok ein „Wehwehchen“ hat und man kennt jede Schraube um eventuelle Störungen so gut als möglich bei Seite zu schaffen.
Schon seit Jahrzehnten bewundern viele Menschen die Eisenbahn. Opa und Onkel gehen mit den kleinen Kindern an die Schiene und Winken den vorbeifahrenden Zügen. Sie gehen zu Bahnhöfen und gucken beim Lokführer zum Fenster hinein um einen kleinen Blick in den Führerstand dieser Kolosse zu bekommen. Kein Geld dieser Welt kann dieses Lächeln eines kleinen Kindes bezahlen, wenn die Augen auf den Führerstand und zum Lokführer fallen. Wenn der Zugbegleiter einen Kinderfahrschein ausstellt und ihn mit der Zange abstempelt. Wenn die gastronomischen Mitarbeiter den Kindern ein ICE-Malbuch oder kleine Spielzeuge schenken.
Fotografen platzieren sich stundenlang in grünen Büschen an der Strecke und versuchen die besten Schnappschüsse der Züge zu erhalten. – Eisenbahn fasziniert die Menschen eben doch.

Nun schlägt unser großer Weltkonzern, die Deutsche Bahn, einen gewaltigen Haken in die Traumwelt aller begeisterten Eisenbahner und Hobby-Eisenbahner. Nach Aussage unseres Vorstandes soll es dies alles in der Zukunft nicht mehr geben. Lokomotivführer und Zugbegleiter sollen mehr und mehr abgeschafft werden und der Vergangenheit angehören. Stellt sich die Frage, Warum?
Sind die Mitarbeiter das Problem des großen Global Player? Sind sie schlicht weg ein zu großer Kostenfaktor oder arbeiten sie etwa nicht wirtschaftlich genug?
Es gibt viele Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland, doch bis jetzt kam keines dieser Unternehmen auf solch eine Idee. Im Gegenteil. An vielen Standorten werden Zugbegleiter und Lokomotivführer bei privaten Eisenbahnen gesucht und das Personal soll noch weiter ausgebaut werden. Nur bei dem mächtigen Riesen –Deutsche Bahn– ist das nicht der Fall. Eher umgekehrt. Im Regionalverkehr wurde in den letzten Jahren bereits ordentlich eingespart was das Zugbegleitpersonal betrifft. War es doch früher so, dass auf jeden Zug ein Zugbegleiter mitfährt, sieht man heute immer weniger von den Kollegen. Dies hat aber auch zur Folge, dass der Reisende keinen direkten Ansprechpartner mehr im Zug hat. Gibt es Verspätungen, so steht der Fahrgast ohne
Anschluss-informationen im Regen da. Noch dramatischer wird es, wenn ein Rollstuhlfahrer mitfahren möchte und es befindet sich kein Personal an Bord. In diesem Fall muss der Lokomotivführer sein Triebfahrzeug verlassen, dem Rollstuhlfahrer beim Einsteigen helfen und dann wieder auf seine Maschine steigen…Verspätung vorprogrammiert! Informationen – Keine! 
Macht man seine Kunden auf diese Art und Weise zufrieden? Bringt man so den besten Service, mit dem die Deutsche Bahn doch eine große Kundenoffensive startet?
In der Schweiz wird der Begriff EISENBAHN noch groß geschrieben. So hat sich die Schweiz nach einem Volksentscheid dazu entschlossen die Eisenbahn als ihr Zukunftsverkehrsmittel auszubauen. Milliarden-Projekte für Trassen, Tunnel und Brückenbau werden dort in das Netz der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) gesteckt. Und die Bevölkerung ist stolz darauf, denn das System funktioniert.
Die Deutsche Bahn hingegen hat in den letzten Jahrzehnten ihr Streckennetz von knapp 45.000 Schienenkilometern auf ca. 33.000 Schienenkilometer herunter geschrumpft. Ganze Strecken wurden stillgelegt und dienen heute als Fahrradweg oder liegen ungenutzt brach in der Landschaft. Sämtliche Überholgleise oder Überleitstellen wurden ab- beziehungsweise zurückgebaut. Für den deutschen Güterverkehr ist dies ein böser Schlag. So stehen oft Güterzügen Ewigkeiten in Bahnhöfen in der Überholung, weil wo anders keine Möglichkeit dafür besteht. Also auch Verspätung im Güterverkehr.

Jetzt haben wir festgestellt, dass es auf dem deutschen Schienen-Netz nicht ganz so gut aussieht und nun möchte der DB Vorstand das autonome Fahren einführen. Da fragen sich doch die Profis – und mit Profis meine ich uns betroffene Eisenbahner, Zugbegleiter und Lokomotivführer – wie möchten diese Damen und Herren das in die Tat umsetzen?
Das Schienen-Netz der DB ist sehr verstrickt und greift an vielen Stellen ineinander ein. Abzweige, Weichen, Kopf-Bahnhöfe, Rangierbahnhöfe. Es müsste generell komplett abgezäunt werden, damit keine fremde Einwirkung in das System eingreifen kann. Sieht ein Lokomotivführer eine drohende Kollision, so weiß er genau was er zu tun hat und leitet entsprechende Maßnahmen und Handlungen ein. Wer übernimmt diese Aufgabe bei einem ferngesteuerten Zug? Bleibt der Zug jedes Mal stehen wenn ein Vogel gegen die Scheibe geflogen ist, weil die Elektronik davon ausgeht, es handelt sich um einen Aufprall? Und wenn es dann doch tatsächlich zu einer Kollision kommen sollte, welcher Mitarbeiter ist dann für die Fahrgäste vor Ort? Kommt der Kollege erstmal mit dem Taxi zum Unfallort und dann kann erst mit der Versorgung der Fahrgäste begonnen werden? Wer meldet dann überhaupt die Kollision und alarmiert eventuell die Rettungskräfte?
Viel zu viele ungeklärte Fragen, die heute schon einen Mangel an Service und Flexibilität garantieren. Die DB setzt mit dieser Aussage auf das Motto: „Mehr Technik – weniger Personal“.
Dass dies nicht unbedingt der beste Weg ist zeigt sich an der immer größeren Anzahl von elektronischen Stellwerken auf dem Schienennetz der DB Netz AG. Laut einer eigenen Statistik von DB Netze gibt es mit den neuen, modernen Stellwerken weitaus mehr Stellwerksausfälle, mit enormen Verspätungspotential, als vorher bei den alten, herkömmlichen Stellwerken. Der einzige Vorteil für die DB an dieser Stelle, ein Mitarbeiter übt die Tätigkeit von 3 oder mehr Mitarbeitern aus. Also schlicht weg Personalkosten sparen.

Die Deutsche Bahn ist zum größten Teil ein staatseigenes Unternehmen. Im Bundestag werden Haushaltspakete verabschiedet, die auch an die Deutsche Bahn Finanzen fließen lassen. Es wurde mal beschlossen, dass die DB gewinnerbringend wirtschaften soll. Eigentlich gar nicht die Aufgabe einer Eisenbahn, denn sie soll dem Allgemeinnutzen der Bevölkerung dienen und nicht unbedingt der Spitzenreiter an der Börse werden. Da der Bund seine Finger mit im Spiel hat, muss die Bahn auch jährlich ihre Dividende zurückzahlen. Man mag meinen, der Bund und die Länder hätten eine schützende Hand über die Deutsche Bahn gelegt – mit Nichten!
Die Bundesregierung guckt erbarmungslos zu, wie der DB Konzern zurzeit den Kurs in Richtung Tiefgang eingeschlagen hat. Über 200 Güterbahnhöfe und Gleisanschlüsse sollen demnächst geschlossen werden. Passt nicht so zusammen mit der Aussage, dass die LKW von der Straße verschwinden sollen. Über 200 Lokomotiven hat die DB kürzlich im Güterverkehr verkauft. Es ist ja löblich, dass wir damit ein paar Millionen Euro verdient haben, aber wer soll jetzt die Züge fahren wenn keine Lokomotiven nicht mehr da sind?
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und Betriebsräte drängen seit Jahren darauf, etwas gegen den Personalmangel und der damit verbundenen Überstunden zu tun.
Die Windrichtung der DB ist bis jetzt leider nicht zu erkennen. Stellt man doch fest, dass die Büroposten immer mehr werden, doch wird für das operative Personal nichts getan um die Situation zu verbessern.
Es können viele Gründe hinter dieser autonomen Idee stecken. Möglich wäre eine bessere Vermarktung im globalen Umfeld. Vielleicht sieht der deutsche Eisenbahn-Riese DB, den großen Internet-Riesen Google, als einen seiner größten Konkurrenten an!? Google veröffentlichte erst kürzlich die Entwicklung eines autonomen PKW. Danach stellte sich der Vorstandschef Grube vor eine Kamera und sagte, er möchte für die DB auch eine autonome PKW-Flotte erstellen. Komische Aussage. War vor ein paar Wochen noch die Rede davon, dass die Fernbusse der Bahn die Kunden wegnehmen und es ist eine starke Konkurrenz für den Schienenfernverkehr. Jetzt sollen die Bahn Kunden also mit einem autonomen PKW zu ihrem Ziel gebracht werden. Ist das dann nicht auch eine Konkurrenz für die Schiene? Und zwar eine aus dem eigenen Haus?

Es könnte auch sein, dass die Deutsche Bahn mit ihrem Standpunkt attraktiv bleiben möchte um europa- oder weltweit nicht abzurutschen. 
Viele verwirrende Sätze die von der Konzernspitze zurzeit nach außen getragen werden. Dabei darf sich nur keiner der Führungskräfte wundern, wenn die eigenen Kollegen und Mitarbeiter nicht mehr wissen ob sie in dieser Firma noch an ihrem richtigen Platz sind. 
Da betreibt die Deutsche Bahn doch eine Werbe-Kampagne um neue Mitarbeiter und Azubis zu gewinnen. Welcher Schüler, der nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, entscheidet sich für eine 3 jährige Berufsausbildung, bei einem Welt-Konzern, wenn er in den Medien zu hören bekommt, dass er nach seiner Ausbildung nur noch 5 Jahre arbeiten kann, denn dann gibt es seinen Beruf nicht mehr? – Ein kontra-Projekt für Werbung von neuen Mitarbeitern und Nachwuchs.

Wie am Anfang erwähnt bin ich mit einem Lokführer-Azubi unterwegs. Dieser junge Mensch hat sich, genau wie ich damals, für die Ausbildung zum Lokomotivführer entschieden um sich einen Traum zu erfüllen. Nach den aktuellen Verwirrungs-Nachrichten der Chefetage bleibt es aber nicht aus, dass man seinen Traum schnell zerplatzen sieht. Schlimmer, man bekommt Angst vor der Zukunft. Vor dem was vor einem liegt. Vor der Leidenschaft, die einem genommen werden kann.
Frühere Alt-Berufe gibt es heutzutage nicht mehr, das wissen wir alle und gehen damit um. Es liegt im Wandel der Zeit und der Technik. Dass jedoch die Vorstandsspitze der Deutschen Bahn AG einfach das Urteil darüber fällen möchte, dass es unseren Beruf dann einfach nicht mehr gibt, ist eine bodenlose Frechheit.
Ich bin 27 Jahre alt und seit 6 Jahren eingesetzter Strecken-Lokomotivführer bei der Deutschen Bahn. Eigentlich stehe ich mitten in meinem Berufsleben…eigentlich? In diesem Alter hat man Pläne und Wünsche. Man plant vielleicht eine Familie zu gründen, oder eventuell ein Haus zu bauen. Urlaube, Reisen, ein bisschen was erleben. Alles wunderschöne Vorstellungen solange einen die Angst nicht einholt. Die Angst an einem Bahnsteig zu stehen, einem vorbeifahrenden Zug zu winken aber es winkt niemand zurück. Die Angst an einer Bahnstrecke zu stehen und man muss feststellen, dass es keine Schienen mehr gibt, stattdessen eine Asphaltpiste für die autonome PKW-Flotte.

Ich liebe meinen Beruf und ich übe ihn zu jeder Tag und Nachtzeit gerne aus. Ich mag meine Kollegen, unsere große Eisenbahner-Familie. Ob Zugbegleiter, Bordgastronom, Rangierer, Fahrdienstleiter oder Lokomotivführer. Wir sind alle ein Teil des Ganzen und das muss unser Konzernvorstand noch kapieren. Wir funktionieren nur gemeinsam.

Auch in Zukunft und auch gern in 30 Jahren möchte ich Sie fahren. Sie alle, die Fahrgäste die Wert darauf legen, dass noch jemand da ist und sich um die Sicherheit an der Zugspitze kümmert. Wir Lokführer sind nichts Besseres – aber wir sind etwas Besonderes…leidensfähig, duldsam und pflichtbewusst.

Ihr Lokomotivführer und Eisenbahner mit Herz
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